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Fragen zum Preuss. Reglement 1812 (Gelesen: 14115 mal)
Landwehrsysad Tino
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #60 - 20.12.2006 um 00:15:43
 
Der Verein „Kurmärkische Landwehr 1813 e.V.“ erlaubt sich, eine Abschrift vom  
 
Exerzier-Reglement für Infanterie der Königlich Preußischen Armee
Ausgabe Berlin 1812

 
zur Verfügung zu stellen.
 
Siehe dazu: http://www.kurmaerkische-landwehr.de/html/reglement.html
 
Besonderen Dank gilt dem Wehrmann, Peter „Knopflos“ Froese, für seine Schreibarbeit, seinen Angehörigen für das Verständnis und dem Haupti für das Informbringen.
 
Tino
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #61 - 20.12.2006 um 12:10:53
 
KLASSE ... herzlichen Dank für diesen Service - und sogar als Download ... SUPER!!!
 
Schöne Grüße
Markus Stein
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #62 - 31.12.2006 um 14:07:59
 
Das gedruckte Nachfolge-Reglement von 1847 gibt es auch im Internet:
 
http://dz-srv1.sub.uni-goettingen.de/sub/digbib/loader?did=D299854
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #63 - 03.02.2008 um 14:21:52
 
Habe dies als Einzelkopie gefunden. Kann es jemand zuordnen? Eventuell 1812 oder früher?
 
 
 
Wie es in Ansehung in Campgne der Marketender bey den Regimentern und Bataillons gehalten werden soll.        
 
     Artikel 1
Wenn ein Regiment in Campagne marschirt, so hat sich wo möglich per Bataillon mit einem, oder doch wenigstens per Regiment mit 2 guten Marketendern, deren einer bey den Musketier-Bataillons und einer bey dem Grenadier-Bataillon bleibt, zu versehen.
Solche Marketender müssen aber nicht etwa blos Delicatessen bey sich führen, sondern vielmehr solche Waaren, die zu den Bedürfnissen des Lebens am nötigsten sind, als Erbsen, Linsen, Grütze, Graupe, Salz, Butter, Käse, Speck, Toback, Brandtwein und dergleichen. Für diese Leute muß auch sowohl in Ansehung ihrer Sicherheit, als in Betracht der möglichsten Bequemmlichkeit ihres Handels, gesorgt werden.
     
     Artikel 2
Den Soldatenweibern ist das Marketendern gleichfalls erlaubt, auch kann ein Grenadier oder Musketier außer seinen Dienst seiner Frau aßistiren, und Speck, Butter und dergleichen verkaufen, und davon, soviel er auf dem Marsch bey sich führen und tragen kann, mitnehmen und verkaufen, es muß ihn aber nicht hindern in Reih und Glied zu bleiben und alles Hin-und Herlaufen bleibt ihn untersagt, wie er denn auch alle seine übrigen Dienste eben so, wie ein anderer Soldat thun muß, und auf seinen Handel in diesem Betracht keine Rücksicht zu nehmen ist.

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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #64 - 03.02.2008 um 14:42:31
 
Das ist aus dem 1788er Reglement für die königlich Preußische Infanterie, Achter Theil: Wie der Dienst im Felde geschehen soll, Titul XXVII. (S. 394 ff.)
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #65 - 03.02.2008 um 15:04:56
 
Vielen Dank, Oli.
 
Kann man davon ausgehen, daß diese Regel auch 1812 weitergeführt wurde oder hat man sie wegen des nun stark reduzierten Trainwesens gelockert?
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #66 - 03.02.2008 um 15:26:50
 
Die Marketender unterstanden den "Polizey-Directoren" der Armee-Korps (nach einer Instruktion für diese von November 1813). Letztere hatten auch die Oberaufsicht über den gesamten Troß des Korps, und natürlich die allgemeine Ordnung (Polizei) sowie die Gefangenen, deren Abtransport sowie den Abtransport der Kranken und Blessierten.
 
Um angenommen zu werden, mußte ein Marketender zwingend über ein eigenes Fuhrwerk und einen genügenden Vorrat an Lebensmitteln verfügen.
 
Ergänzend wurden bei längerem Aufenthalt auch lokale Märkte eingerichtet.
 
Nähere Bestimmungen zum Marketenderwesen hab ich bisher nicht gefunden. 1812 hab es eine Bestimmung des General-Kriegs-Kommissars Ribbentrop, daß Marketender von den Regimentern nur angenommen werden durften, wenn sie sich selber verpflegten.
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #67 - 08.02.2008 um 21:38:25
 
Nach der freundlichen Zusendung diverser Zeichnungen von FW Scheibe (Jörg) eine weitere Frage zum 1812er Reglement fürs bessere Verständnis aller, die sich aus einer Colonne in Zügen (bei unserer Darstellung sicherlich nur in Sektionen) in die Angriffs-Colonne verwandeln wollen.
 
Hier mal schnell der Text:
 
Auf das Commando Nach der Mitte in Colonne --- Marsch! machen die 3 ersten Züge der Colonne rechtsum, gehen dem rechten Flügel des stehen gebliebenen 4ten Zuges vorbei, lassen hinter demselben in gleicher Höhe mit ihm, ihre rechten Flügelleute  
nochmals rechtsum machen, und zugweise hintereinander die Rotten links auflaufen. Die Officiere so diese Züge commandiren, führen dabei ihren rechten Flügel und nehmen den Umkreis nicht größer als nöthig ist; der 5te Zug setzt sich mit halblinks neben den 4ten, der 6te, 7te und 8te Zug folgen dem 5ten und rücken auf.
Diese Formation
[hier gemeint:Angriffs-Colonne] ist auf der Stelle und im Marsch bei der geöffneten und bei der geschlossenen Colonne anzuwenden.  
Formation der Angriffs-Colonne. S.71
 
Da die ersten 3 Züge nach dem Rechtsum im Bogen nach hinten hinter den 4ten gehen und nach dem wiederum Rechtsum-Machen der rechten Flügelleute rottenweise links auflaufen, stehen doch zwangsläufig die 3ten Glieder dieser 3 Züge vorn und die 1ten hinten, wenn ich das richtig sehe.
Sollte das nun so für alle weiteren Evolutionen bleiben? Denn, wenn nun auch  wieder zur Linie deployiert werden soll, bleiben die 3ten Glieder vorn. Dafür sprechen könnten analog die Sätze aus dem §10 (S.78) über den Contremarsch:
 
Ein Bataillon muß den Contremarsch zwar ausführen können, aber sowohl bei den Übungen als bei dem Gebrauch der Truppen im Felde, muß es gleich viel sein, ob das erste oder dritte Glied vom ist, und ob der rechte oder linke Flügel die Tete einer Colonne hat. Überhaupt muß sich ein Bataillon nie um die erste Ordnung der Züge bekümmern, außer bei Paraden.
 
Da stellt sich allerdings nun die Frage, wenn das 3te Glied zum Tiraillieren befohlen wird, welches Glied formiert sich dann? Das eigentliche 3te, was jetzt vorne steht, in dem sich normalerweise die besten und gewandtesten Schützen befinden (§1 S.43), die ja fürs Tiraillieren gedacht sind oder das eigentlich 1te, jetzt das hinten stehende.  
 
Also Frage 1: Stimmt das mit dem Wechsel der Glieder beim Bilden der Angriffs-Colonne?
      Frage 2: Wenn ja, welches Glied geht zum Tiraillieren?  
 
 
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #68 - 09.02.2008 um 08:54:48
 
Zu Frage 2: Zum Tiraillieren geht natürlich immer das "echte" dritte Glied, das ja eigens dafür ausgebildet wurde. Das zweite und dritte Glied (jedenfalls bei den Musketieren) kann ja nicht tiraillieren.  
 
Dabei ist es völlig unerheblich, ob das dritte Glied durch Inversion gerade zufällig vor dem 1. und 2. Glied steht, oder in der "richtigen" Position hinter diesen.  
 
Mit dem Kommando "Züge aus dem dritten Gliede formiert" ist immer nur das "eigentliche" dritte Glied gemeint.  
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #69 - 09.02.2008 um 10:56:03
 
Vielleicht ist die schematische Skizze aus Hartwigs Taktik-Atlas etwas irreführend.
 
Der Endeffekt, wie die fertig formierte Angriffskolonne aussieht, darf nicht davon anhängig sein, auf welche Art und Weise sie formiert wurde. Es gibt nur eine einzige Art von Angriffsksolonne. Außerdem müssen ja am Schluß die schließenden Unteroffiziere (quasi das "vierte Glied") hinter ihrem jeweiligen Zug stehen, wie es der Taktik-Atlas auch zeigt.
 
Hier meine Interpretation, am Beispiel des 3. Zugs.
 
A = 4. Zug
1, 2, 3  = jeweils das 1. bis 3. Glied des 3. Zuges, die rechten Flügelmänner des Zuges in fett
   
Auf das Commando Nach der Mitte in Colonne --- Marsch! machen die 3 ersten Züge der Colonne rechtsum,
 
noch ist alles klar, der erste Zug blickt in Richtung "X"):
 
 
11111111111111111111111111
22222222222222222222222222                                X
33333333333333333333333333
 
 
 
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
 
 
gehen dem rechten Flügel des stehen gebliebenen 4ten Zuges vorbei, lassen hinter demselben in gleicher Höhe mit ihm
 
"ihm" interpretiere ich als die rechte Flanke des 4. Zugs. Die Spitze des 3. Zuges steht jetzt schräg hinter dem 4. Zug, doch - für das Kommende wichtig - nicht Brust an Rücken, sondern mit Abstand von mindestens einer Zugtiefe, eher noch etwas mehr:
 
 
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
                                              X
                                                   321
                                                   321
                                                   321
                                                   321
                                                   321
                                               33
                                               2  2
                                               1    1
 
 
ihre rechten Flügelleute nochmals rechtsum machen
 
das gehört schon mit zur Vorbereitung des folgenden Kommandos, die neue Marschdirektion der führenden Rotte ist dadurch bei "X".  
 
und zugweise hintereinander die Rotten links auflaufen.
 
Die Erklärung liegt im "links auflaufen lassen", das heißt, sie formieren sich "senkrecht auf die Marschdirektion", die nach vorne (Richtung "X") zeigt. Siehe Exerzier-Reglement 1812, S. 37. Dabei marschieren sie rottenweise links an den drei Männern der führenden Rotte vorbei, die Front (erstes Glied vorne) zeigt in Richtung des 4. Zuges.
 
Natürlich müssen auch die Flügelmänner des 2. und 1. Gliedes links an dem Flügelmann des 3. Gliedes vorbei, um sich vor ihn zu setzen.  
 
 
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
                                            X
 
                                       1111
                                     12222
                                   123333
                                  123
                                123
                                12  3333333333    
                                1  2222222222    
                                  111111111
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Antworten #70 - 09.02.2008 um 11:49:36
 
Hier noch der Text des Reglements zum Auflaufen der Rotten:
 
Zitat:
§. 5. Aufmarsch aus Reihen.

b) Durch Auflaufen der Rotten.

Will man sich senkrecht auf die Marschdirection in Front setzen, so geschieht dies durch das Auflaufen mit Rotten. Das Commando hierzu ist Rechts, (Links) marschirt auf --- Marsch! (Die Benennung der Abtheilung, Züge, Sectionen, in welche man sich durch den Aufmarsch setzen will, geht diesem Commando voran). Der Flügelmann vom zweiten Gliede setzt sich in gehöriger Distance und Richtung hinter den vom ersten, der vom dritten hinter den vom zweiten Gliede. Die übrigen Rotten ziehen sich mit halb rechts oder halb links heraus, und nehmen Fühlung und Richtung von dem bereits stehenden Flügel. War dies der linke, so wird nach geschehenem Aufmarsch Augen rechts! commandirt.

Das heißt, der Flügelmann des 1. Gliedes muß vormarschieren, und die des 2. und 3. Gliedes lassen ihn direkt links an sich vorbei, sonst würde das ganz nicht funktionieren.
 
Ich gebe aber zu, daß ich mir bei meiner Intepretation nicht völlig sicher bin ...
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Antworten #71 - 10.02.2008 um 12:52:51
 
Ja, so könnte es gehen das 1te Glied wieder nach vorn zu bringen. Allerdings erscheint mir das auf dem ersten Blick recht kompliziert, denn die Männer aus dem 1ten und 2ten Glied müssen jeweils links am Mann des 3ten Gliedes ihrer Rotte vorbei. Aber ohne Tritt und im Trab müsste es gehen. Dafür sind ja schließlich die Exerzitien da.  
Wobei beim wirklichen Auflaufen der Rotten die Flügelmänner sich hinter den vom 1ten Glied zu setzen haben. Bei unserem Problem setzen sich der 2te und 1te vor den 3ten. Genau anders herum. Wundert mich aber, daß für solch eine Entwicklung nichts geschrieben steht. Könnte nun zur damaligen Zeit nicht der Rede wert gewesen sein.
 
Wenns so richtig ist, löst sich natürlich das Problem von Frage 1 von selbst.
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #72 - 10.02.2008 um 13:06:14
 
Zitat:
Bei unserem Problem setzen sich der 2te und 1te vor den 3ten.

Nun, man kann sich ja auch nach vorne hinter jemanden setzen. Der Flügelmann des 1. Gliedes rückt ja einige Schritte vor, und die des 2. und 3. setzen dann sich hinter ihn, indem sie auch etwas vorgehen.
 
Der Flügelmann des 3. Gliedes bleibt ja nicht auf der Stelle stehen, sondern er muß mindestens einen Schritt nach vorne machen, um Platz für die hinter ihm an ihm vorbeimarschierenden übrigen Leute des 3. Gliedes zu machen. Eigentlich mindestens zwei Schritte, da die neben dem dritten Glied marschierenden schließenden Unteroffiziere ja auch noch irgendwie hinter ihm vorbeikommen müssen.
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Re: Fragen zum Preuss. Reglement 1812
Antworten #73 - 10.02.2008 um 16:27:07
 
Genau richtig. Also ich denke, Deine Interpretation ist schon korrekt. Ich sehe da kaum eine andere Möglichkeit die Ordnung wieder zur  Front herzustellen. Somit sind die 3ten Glieder auch wieder hinten und später fürs mögliche Formieren zum Tiraillieren durch die beiden vorderen gedeckt.
 
Wobei jetzt wirklich darauf zu achten ist, daß nach dem Rechtsum der Mann vom 3ten Glied (noch vorn stehend) der rechten Flügelrotte  zum Linksauflaufen mindestens zwei Schritte vorwärts macht. Fraglich ist nun, weiß der jeweilige Zug durch den Befehl des Stabsoffiziers zum Formieren der Angriffscolonne selbständig genau was zu tun ist oder wird das Rechtsum und das Auflaufen vom Zugführer doch noch befohlen?
 
§4 S.71 besagt, der Offizier, so den Zug commandiert, führt seinen rechten Flügel. Folglich befiehlt er das Rechts-um! der rechten Flügelrotte bei gehöriger Distanz und das Links marschiert auf! Ob die rechte Flügelrotte von selbst die paar Schritte vorgeht, es befohlen wird, der rechte Flügeluoffz. dort steht oder gar der Zugführer selbst das Alignement vorgibt, müßte noch erörtert werden...
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Antworten #74 - 11.02.2008 um 23:52:09
 
Hier ein Text von 1832 zur Formierung der Angriffskolonne, der die preußische und die östereichische Methode vergleicht, und extra erwähnt, daß beim links auflaufen die Front verändert wird.
 
http://books.google.com/books?id=Mpsxbam_doUC&pg=PA317
 
Der ganze Aufsatz beginnt hier:
 
http://books.google.com/books?id=Mpsxbam_doUC&pg=PA304
 
Leider fehlt die Doppelseite 310/311. Nach der Fortsetzung habe ich nicht gesucht.
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