Haupti
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Gaaanzer Kruug - Kehrt!
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Mein theurer Unterofficir, ich schreibe Ihnen aus dem fernen Sachsen, das endtlich wieder zu den Deutschen zu gehören scheint, denn der so genannte Protector des unglücklichen Rheinbundes befindet sich auf der Flucht nach seiner Hauptstadt. Mit großer Tapferkeit und Leydenschaft haben die Verbündetten unter der allergnädigsten Obhuth unseres geliebten Königs, des reußischen Zaaren und des östereich’schen Keysers bei Leipzigk in drey Tagen den Frantzens dermaßen das Jackstück vollgehauen, dass sie sich zu Hauff in alle Richtungen zerstreuten. Unser Detaschment traf am 16ten an dem uns zugewiesenen Orte ein und wurde in einen gerade 1808 erbautem Hofe mit der Garde-Artillerie und einer Escadron Elb-Husaren einquartirt. Und stellen Sie sich vor: in dem selbigen Hause hatte seine Excellence der große General von Blücher sein Haubtquartier. Wir durften sogar die Wacht stellen! Oben unterm Dach juchee fanden wir genug wohlickgen Platz für unsere Strohlager. Die dienstlosen Preußen fanden in den nebenliegenden Höfen ausreichend Zerstreuung bei guthem Bier und früschsten Räucherwürsten, Weib und Gesang. Die Dorfbewohner waren allesammt bemerkenswerth freundlich als hätten sie auf uns als Befreier gewartet. Obwohl über die drey Tage Zeus sich als Pluvius zeigte und den gantzen Landstrich im Kothe versinken ließ, konnte uns nichts die Freude, an diesem Platze zu seyn, verleidten. Am nächsten Tage sollten wir ins frantz’sche Feuer kommen. Des Morgens hatte der arme Feldtweebel reichlich zu tun die Männer wegen der vorzüglichen Bewirthung der Bevölkerung aus dem warmen Stroh zu kriegen. Da fehlten mir Ihre lauthe Stimme und Energie wieder einmal wirklich. Trotzdem fanden wir uns pünktlich zu den Exercitien ein, bei denen die nun mittlerweise halbjährigen Wehrmänner die Evolutionen aufgefrüscht bekamen. Gegen Mittag machte sich unser Detaschment auf gegen den Feind auf Markkleeberg zu marschiren. Wir trafen recht früh ein und bivuaquirten am Waldesrand. Unterdessen etwas später debouchirte eine starke Colonne auf ungefähr 1000 Schritt aus dem Walde. Alles stürzte zu den Waffen. Die guthe Ordnung der Anmarschirenden hieß uns Frantzmänner zu vermuthen. Doch das viele Schwarz passte nicht zu den Frantzen. Es waren Lützower! Die wohlrangiert in Sektionscolonne ein wahrlich denkwürdiges Bild abgaben. Unter ihnen Musketiere, Schützen und Tiroler Jäger. Beeindruckt schulterten wir das Gewehr und schlossen uns auf Befehl des Obersten sehr gerne der Colonne an. Auf dem Schlachtfeldt angelangt, deckte anfangs unser Detaschment, verstärkt mit einigen attaschirten Mansfelder Pionirs, die Artillerie der Garde und wir durften zum ersten Male beobachten wie eine angelsächs’sche ‚Raketen’-Batterie ihre seltsamen Geschosse abfeuerte, überall hin nur nicht auf die feindlichen Bataillons. Schließlich kam der Befehl gegen den Feind. Beim Avanciren vermisste ich Ihr vorzügliches Geschick als Flügelmann für das Einhalten der Direction, mein guther Unterofficir. Doch wäre Ihr Talent nicht unbedingt sehr nützlich gewesen, denn wir mussten uns mehrmals nach rückwärts orientiren, der Gegner war einfach zu massirt, besonders ihre Tirajörs machten uns ständig zu schaffen. Erst als uns ein Schützenbataillon der Braunschweiger Awangarde zur Seite kam, konnten wir dem Feinde widerstehen. Bei diesem heftigen Geplänkel, wo sich auch die Kurmärker als Schützen bewährten, konnte endtlich Terräng gewonnen werden. Hierbei behinderte, wieder hervorgerufen durch das naßkalte Wetter, der vermaledeite Prallschuß von Auerstädt mein Knie erheblich. Gegen Ende der Schlacht, als wir zwischen Lützowern und Russischer Legion mit den Braunschweigern den großen Chok ausführen wollten, kam uns eine massive Angriffscolonne Polen mit dem Bajonet so entschlossen direct entgegen, daß uns trotz tapferer Gegenwehr mit den restlich verbliebenen Wehrmännern nur noch der Rückzug blieb. Der Ausgang dieser denkwürdigen Völkerschlacht ist Ihnen indessen nur zu bekannt. Alles stürmt gen Westen zum Rhein, Freund wie Feind. Zum Jahreswechsel will unser Vater Blücher mit uns über den Rhein. Ich darf hoffen, daß es Ihnen die verflixte Blessur von der Göhrde bis dahin möglich macht uns nachzureisen. Sie fehlen dem Bataillon sehr. Wohlaffectionirt Ihr Hauptmann
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