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Goethe in der Campagna (Gelesen: 1015 mal)
micha
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Goethe in der Campagna
05.09.2016 um 20:44:53
 
Wir kennen alle (oder fast alle....) das berühmte Goethebild von Tischbein:
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Goethe_in_der_Campagna
 
Nur, was hat Onkel Goethe da eigentlich an? Ich meine natürlich nicht den Hut, Schuhe Strümpfe oder die Kniebundhose sondern
diesen hellen Überwurf
 
Eine Art langen Poncho oder Mönchskutte? Wo steckt er den li. Arm so rein, das dieser unter dem Gebilde am Bein wieder hervorschaut?
Wie nennt sich dieses Kleidungsstück? Ist es was Italientypisches oder künstlerische Freiheit?
 
In der Beschreibung ist von Mantel oder gar Reisemantel die Rede. Dieser soll sogar nachweislich im Besitz Goethes gewesen sein
Den einzigen Mantel Goethes den ich kenne, hängt in Weimar im Museum und sieht gänzlich anders aus
 
Weiß jemand mehr?
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #1 - 06.09.2016 um 17:56:40
 
Für mich sieht das aus, als hätte er sich einfach in eine weite Decke gehüllt ?
 
Wenn Du einen Ausdruck des Bildes mitbringst, könnte ich es Dir das nächste Mal, wenn wir uns sehen, mit meiner Decke nachdrapieren Zwinkernd
 
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #2 - 07.09.2016 um 12:05:19
 
Ich sehe da eher so was wie einen Poncho . Allein schon wegen dem Halsausschnitt .
 
Gruss,
Raffi
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Und lachend stellte der Tod seine Sense beiseite
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #3 - 07.09.2016 um 15:59:47
 
Den Halsausschnitt kriegt man leicht hin, in gewünschter Weite, indem man die Decke um den Hals legt, mit den übereinandergelegten Seiten nach hinten.
 
Der Grenadier auf dem Bild hier müßte sein Deckengewickel nur um 180 Grad nach hinten drehen, und sähe fast genauso aus wie Göthe.
 
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #4 - 07.09.2016 um 19:48:38
 
Aber würde man das dann als "Mantel oder Reisemantel" bezeichnen ?  unentschlossen
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #5 - 07.09.2016 um 20:33:44
 
Stimmt - "Reisemantel" kommt allerdings nur als moderne Bezeichnung vor, in den zitierten zeitgenössischen Texten ist nur von "Mantel" die Rede ...
 
Vielleicht ist damit ein Radmantel oder eine Pelerine gemeint. Jedenfalls hat das Teil, das Goethe umgehängt hat, keine erkennbaren Ärmel, und auch keinen Kragen.
 
Für einen Poncho wäre es sehr asymmetrisch zugeschnitten, wenn Du die Länge von der rechten Schulter bis zum rechten Handgelenk mit der Länge von der linken Schulter bis zum Ende links am Unterschenkel vergleichst.
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micha
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #6 - 07.09.2016 um 20:33:48
 
Nee, Nee,  mein lieber Sanssouci
Goethe und eine schnöde Decke, das kann nicht sein
Er ist ja ein deutscher Schöngeist und kein Sansculotte
Und um es vorweg zu nehmen, der Hut des rechten Franzosen sieht auch
nicht aus wie Goethes Deckel
 
Es muss was anderes sein
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Brissotin
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Re: Goethe in der Campagna
Antworten #7 - 08.09.2016 um 11:22:21
 
Der Hut vom Goethe ist schlichtweg ein breitkrempiger Hut dessen eine Seite hochgeschlagen ist. Ganz normal für Italien. Ich kenne sowas auch von einem Genregemälde aus dem späten 18.Jh., welches Italiener beim Blindekuhspiel abbildet. Der Hutstumpen ist ein wenig hoch, mag aber einfach auch künstlerischen Aspekten verschuldet sein.
 
Der Mantel von Goethe ist offensichtlich kein normaler Radmantel. Die hatten allesamt wenigstens einen kleinen Kragen wie wir ihn von Garsaults Stichen her kennen. Auch Longhi hat in seinen Genrebildern immer wieder auch bei Szenen, die drinnen spielen, solche Radmäntel mit kleinem Kragen gezeigt und die Vorbilder dürften in Norditalien zu suchen sein. http://www.zeno.org/Kunstwerke/B/Longhi,+Pietro%3A+Portr%C3%A4t+einer+venezianis chen+Familie
 
Für mich gibt es zwei wahrscheinliche Erklärungsversuche:
1. wahrscheinlicher: es handelt sich um kein real existierendes Kleidungsstück. Goethe will als Denker gezeigt werden. Vielleicht soll das Gewand, was er über seiner normalen Kleidung trägt an antike Gewänder wie Toga oder dergleichen erinnern ohne jetzt akribisch solch ein Gewand zu imitieren.  
Irgendwelche Laken in antikisierender Form um Denker und Künstler zu drapieren, auch um Feldherren, gehört zum künstlerischen Standardprogramm des 18. Jahrhunderts. Das Besondere ist hier, dass Goehte liegend oder fast liegend dargestellt wird, was natürlich wenn man mit englischen zeitgenössischen Bildern vergleicht allerdings auch nicht so rasend ungewöhnlich.
2. unwahrscheinlicher: eine regionale Kleidung. Was auch zeitweise beliebt war, das waren Rollenporträts. Fürstin XY als Schäferin oder Pilgerin. Zoffany beispielsweise malte sich als Mönch. Die Schlichtheit der Kleidung könnte sich an eine Mönchskutte orientieren. Goethe beschreibt immer wieder Figuren in seinen Werken, die wie sein Werther oder Wilhelm Meister die Abgeschiedenheit suchen, um über sich und die Welt zu reflektieren. Warum also kein Eremit in Italien sein?
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Diese Ausschließlichkeit kommt mir höchst ungesund vor.
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